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    Marktkommentar  161  0 Kommentare Prof. Dr. Jan Viebig (Oddo BHF): Neue Trends könnten das Börsengeschehen stark prägen

    Es beginnt eine Berichtssaison, die aller Voraussicht mehr bieten wird als Routine.

    19.04.2024 -

    Es beginnt eine Berichtssaison, die aller Voraussicht mehr bieten wird als Routine. Die Unternehmen in den USA und in Europa legen in den kommenden Wochen Zahlen über ihren Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2024 vor. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Unsicherheit über die weitere Geldpolitik der Fed zugenommen hat. Die Inflationsrate ist in den USA im Februar und März gestiegen,  wenn auch nur geringfügig. Doch ist der Trend, der bis dahin nach unten zeigte, zumindest vorläufig gebrochen. Damit ist auch die Gewissheit gewichen, dass die Fed die Zinsen bald in raschen Schritten senken wird. Die Zinssenkungen könnten später erfolgen und nicht so stark ausfallen wie vor einigen Monaten erwartet. Die nachlassenden Zinssenkungshoffnungen korrespondieren mit den Ergebnissen der jüngsten Umfrage der Bank of America Merrill Lynch. Der monatlichen Erhebung zufolge sind die Fondsmanager aktuell so optimistisch für das Wachstum wie seit zwei Jahren nicht mehr.  Dementsprechend sind diese professionellen Großanleger mit  rund 96 Prozent  ihres Fondsvermögens auch so stark investiert wie seit langem nicht mehr.

    Die tatsächliche Gewinnentwicklung im Aktienindex S&P 500 folgt den optimistischen Wachstumserwartungen nicht ganz. Nach den Zahlen, die die US-Unternehmen bisher vorgelegt haben, sind die Gewinne des ersten Quartals 2024 im Mittel um 0,9 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Tatsächlich korrespondiert das moderate Wachstum im ersten Quartal mit einem erwarteten Gewinnwachstum für das Gesamtjahr 2024 von 10,3 Prozent – das ist geringfügig niedriger als die Schätzung vom 31. März 2024. Die Analysten von Factset, die diese Zahlen aus den berichteten und erwarteten Ergebnissen für das erste Quartal ermittelt haben (sogenannte „blended earnings“), rufen allerdings in Erinnerung, dass in diesem frühen Stadium der Berichtssaison das Quartals- Gewinnwachstum in der Vergangenheit häufig unterschätzt wurde.

    Das Urteil der Investoren über die laufende Berichtssaison wird unserer Einschätzung nach stark von den großen Tech-Unternehmen abhängen. Besonders die Gewinnentwicklung von Konzernen wie Microsoft, Apple, Meta, Amazon, Nvidia oder Alphabet wird Interesse auf sich ziehen. Neben den reinen Geschäftszahlen wird für die Anleger zunehmend eine Rolle spielen, wie rasch diese Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) in ihr Geschäftsmodell einbauen. Chat GPT des kalifornischen Unternehmens Open AI hat in den anderthalb Jahren seit Markteinführung eindrucksvoll vorgeführt, welche Möglichkeiten KI bietet. Innerhalb weniger Augenblicke kann dieser Chatbot, der auf maschineller Lerntechnologie basiert, aus wenigen Stichworten einen hervorragenden Text generieren.

    Viele Tech-Konzerne stehen bei der Nutzbarmachung von KI häufig am Anfang ihrer Entwicklung. Nehmen wir Microsoft: Das Unternehmen steht für eine breite Vielfalt an digitalen Aktivitäten von Betriebssystemen (Windows), Anwenderprogrammen (Word, Excel, Teams…), Serverprodukten, Spielen (Xbox), Mobiltechnik und vielen anderen Aktivitäten. Insgesamt erreicht Microsoft mit diesen Geschäftsfeldern eine Marktkapitalisierung von mehr als drei Billionen Dollar. Doch im Bereich KI steht Microsoft am Anfang. Microsoft Power AI unterstützt bei der Entwicklung von Apps, ohne dass die Nutzer spezifische Kenntnisse in der Codierung mitbringen müssen. Das ist eine erste konkrete KI-Anwendung. Doch der Beitrag von KI zum Umsatz oder gar zum Gewinn von Microsoft ist bisher minimal. Frühestens gegen Ende des Jahres dürften erste finanzielle Ergebnisse der KI- Aktivitäten bei Microsoft sichtbar werden. Die große Frage aus Anlegersicht wird sein, wie sehr der Markt bei den Tech-Unternehmen schon die Entwicklung von KI in den Aktienkursen berücksichtigt, hat.

    Digitalisierung und KI sind aus unserer Sicht Megatrends, die das Geschehen an den Börsen in den kommenden Jahren prägen werden. Ein zweiter Bereich ist Gesundheit. Das liegt zum einen daran, dass eine alternde Bevölkerung höhere Gesundheitsausgaben erfordert. Zum anderen werden mit dem Wachstum der Mittelschicht auf der Welt typische Wohlstandskrankheiten zunehmen: Diabetes, Übergewicht bis hin zur schweren Form Adipositas oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Davon profitiert aktuell besonders das dänische Pharma-Unternehmen Novo Nordisk. Groß wurde Novo Nordisk vor rund hundert Jahren mit Insulin, einem Bereich, der auch heute noch eine große Rolle für die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens spielt. Das Medikament Ozempic wird in der Behandlung von Diabetes eingesetzt, basiert es doch auf dem Wirkstoff Semaglutid. Neuerdings hat sich gezeigt, dass Semaglutid auch gut als Mittel gegen Adipositas unter die Haut gespritzt werden kann. Daraufhin hat Novo Nordisk das Abnehm- Medikament Wegovy auf den Markt gebracht, das wie Ozempic den Wirkstoff Semaglutid einsetzt.

    Dass sich Fettleibigkeit, vor allem die chronische Adipositas, mit einer Spritze therapieren lässt, hat eine wahre Euphorie an den Finanzmärkten ausgelöst. So wird erwartet, dass die Zahl der Adipositas-Fälle von aktuell rund 813 Millionen Menschen bis zum Jahr 2030 auf mehr als 1,2 Milliarden Menschen weltweit wachsen wird. 

    Bei Novo Nordisk machten die Abnehm-Medikamente Saxenda und Wegovy im vergangenen Jahr 2023 schon 18 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Dementsprechend stark ist der Aktienkurs des Unternehmens gestiegen, sodass sich auch hier die Frage stellt, wie sehr der Effekt der Abnehm-Euphorie in die Bewertung der Novo- Nordisk-Aktien eingeflossen ist. Auch drängen derzeit zusätzliche Anbieter in den Markt. Der US-Pharmakonzern Eli Lilly hat bereits das Antidiabetikum Mounjaro im Angebot. Es ist derzeit offen, welches der angebotenen Medikamente zu einer besonders effektiven Gewichtsabnahme ohne Nebenwirkungen führen und sich langfristig am Markt durchsetzen wird. 

    Allerdings  sind  aktuell  die  geopolitischen  Risiken,  die  auf  der  Welt  lasten,  schwer  einzuschätzen.  Mit  den iranischen Raketenangriffen auf Israel ist eine neue Eskalationsstufe im Nahostkonflikt erreicht worden. Die weitere Entwicklung hängt von so vielen Unwägbarkeiten ab, dass sämtliche Einschätzungen der politischen Analysten zwangsläufig eine große Unschärfe aufweisen. Klar ist aber auch, dass es Russland und China nur recht sein kann, wenn die Aufmerksamkeit der USA auf längere Zeit im Nahen Osten – von den Huthi-Attacken im Roten Meer, dem Krieg im Gaza und nun auch mit dem Konflikt zwischen dem Iran und Israel – gebunden ist.

    Deshalb bleiben wir im Aktienbereich derzeit bei einer neutralen Gewichtung. Sollten die geopolitischen Spannungen zu einer Korrektur an den Finanzmärkten führen, würden wir unser Aktiengewicht weiter erhöhen, da wir viele Unternehmen finden, die langfristig interessante Wachstumsperspektiven bieten.

      

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