Raumfahrtambitionen
Isar-Rakete: Deutschland arbeitet an eigener SpaceX-Alternative
Einem deutschen Startup ist ein Raketenstart in Norwegen gelungen. Auch wenn der Test schnell beendet wurde, bringt er neuen Schub für Europas Raumfahrtambitionen.
- Isar Aerospace testet Spectrum-Rakete in Norwegen.
- Testflug endet nach 40 Sekunden mit Explosion.
- Ziel: Europas Raumfahrtunabhängigkeit stärken.
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In einem weiteren Schritt zur Stärkung der europäischen Raumfahrtindustrie und zur Verringerung der Abhängigkeit von den USA hat das deutsche Startup Isar Aerospace am Sonntag einen Testflug seiner Spectrum-Rakete durchgeführt.
Auch wenn dieser Testflug nach nur 40 Sekunden Flugzeit beendet wurde und mit einer Explosion endete, markiert er doch einen wichtigen Meilenstein in Deutschlands Bestreben, eine Antwort auf SpaceX zu entwickeln, das Raumfahrtunternehmen von Tesla-Chef Elon Musk. Gleich mehrere europäische Unternehmen arbeiten daran, die Autonomie Europas im Weltraumbereich zu sichern.
Das in München ansässige Unternehmen Isar Aerospace, das über 400 Millionen Euro seit seiner Gründung im Jahr 2018 eingesammelt hat, unternahm am Sonntag von einem norwegischen Weltraumbahnhof aus den ersten Testflug.
Erst im Juni hatte Isar Aerospace in einer Serie-C-Runde über 220 Millionen Euro eingesammelt, die vom NATO-Innovationsfonds unterstützt wurde. Das Unternehmen baut eine Fabrik in der Nähe von München, in der jährlich 40 seiner Spectrum-Raketen hergestellt werden können.
Die Kapazität seiner Raketen ist bis Anfang 2027 ausverkauft, erklärte Konzernchef Daniel Metzler im Vorfeld des Starts. Bis dahin seien mehr als 10 Missionen geplant. Ziel beim Test am Sonntag sei es vor allem, nicht die Startrampe zu sprengen, was bedeute, dass die Rakete 30 Sekunden in der Luft sein müsse. Dies wurde erreicht.
Die Isar-Raketen haben eine Nutzlast von etwa 1.000 Kilogramm und sind dafür ausgelegt, kleine und mittlere Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn zu bringen. Die meisten Erdbeobachtungssatelliten, die für Spionage, Umweltüberwachung und Kartierung eingesetzt werden können, können laut Metzler Umlaufbahnen nutzen, die vom norwegischen Startplatz aus erreichbar sind.
Das Projekt sollte zudem Europas Fähigkeiten für den Start von Satelliten demonstrieren. Trotz des Fehlschlags betrachtet das Unternehmen den Flug als Erfolg, da wertvolle Daten gesammelt wurden, die zur Optimierung zukünftiger Missionen beitragen sollen. Die Rakete soll die Kapazität haben, die europäische Abhängigkeit von ausländischen Anbietern wie SpaceX zu verringern. In Europa gibt es als Anbieter von Satellitenstarts nur die französische ArianeGroup, ein Joint Venture von Airbus und Safran.
Die deutschen Bemühungen, eine eigene robuste Weltraumkapazität zu entwickeln, spiegeln ein wachsendes Bedürfnis nach technologischer und ökonomischer Souveränität wider. Laut dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie ist es essenziell, dass Europa seine Unabhängigkeit im Weltraum sicherstellen.
Mit Isar Aerospace aus Deutschland und weiteren geplanten Starts aus Schweden und Großbritannien, versuchen gleich mehrere Länder in Europa, eine führende Rolle in der Raumfahrt der Region zu übernehmen und eine alternative Lösung zu Elon Musks dominierendem SpaceX-Raumfahrtunternehmen zu bieten.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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